Hanabi: Warum ganz Japan im Sommer den Himmel beobachtet

Hanabi (花火), wörtlich "Feuerblumen", sind die traditionellen Feuerwerksfestivals, die zwischen Juli und Ende August in ganz Japan stattfinden. Anders als in der Schweiz haben sie nichts mit einem Nationalfeiertag zu tun, sondern sind ein fest verankertes Sommerritual mit teils jahrhundertealter Geschichte.
Warum wird das gemacht?
Die Tradition reicht bis in die Edo-Zeit zurück. Der Ursprung des Tokioter Sumida-Feuerwerks etwa geht auf ein Gedenkfeuerwerk im 18. Jahrhundert zurück, das für die Opfer einer Hungersnot und Seuche abgehalten wurde. Aus diesem Gedenkritual hat sich über die Jahrhunderte das grosse Sommerfest entwickelt, das man heute kennt. Viele Festivals fallen zudem in die Zeit von Obon, dem japanischen Ahnenfest Mitte August.

Die 5 bekanntesten Hanabi-Festivals
Omagari (Akita) – eines der "drei grossen Hanabi Japans", reiner Wettbewerb unter Pyrotechnikern
Nagaoka (Niigata) – kein Wettbewerb, sondern ein grosses Gedenk- und Friedensfeuerwerk mit der bekannten "Phoenix"-Show
Tsuchiura (Ibaraki) – das dritte der "drei grossen", ebenfalls ein Wettbewerb, einzig davon in Tokio-Nähe
Sumida River (Tokio) – das bekannteste und meistbesuchte Festival direkt in der Hauptstadt
Kumano (Mie) – Feuerwerk über dem Meer, teils von Booten aus, über 300 Jahre Geschichte
Lohnt sich das trotz der Hitze?
YES. Die Festivals starten erst bei Einbruch der Dämmerung, wenn es etwas kühler wird. Die Atmosphäre mit Yukata, Picknickdecken am Flussufer und Essensständen gehört für viele zu den intensivsten Erlebnissen einer Japanreise – einfach genug Wasser mitbringen und früh einen Platz sichern.
Yatai: Die Essensstände
Kein Hanabi ohne Yatai (屋台) – mobile Essensstände, die sich entlang der Wege zum Festivalgelände aufreihen. Die Auswahl ist grösser, als viele erwarten:
Takoyaki – frittierte Teigbällchen mit Oktopusstückchen, meist mit süss-salziger Sauce, Mayonnaise, Katsuobushi-Flocken (Bonito) und Nori beträufelt
Yakisoba – gebratene Weizennudeln mit Kohl und Fleisch, direkt vom heissen Grillblech
Yakitori – gegrillte Hähnchenspiesse
Ikayaki – ganzer gegrillter Tintenfisch mit Sojaglasur, oft in Scheiben serviert
Kakigori – Raspeleis mit Sirup (Erdbeere, Melone, Matcha oder das klassische "Blue Hawaii") und teils Kondensmilch
Ringo-ame – kandierte Äpfel mit einer harten, glänzenden Zuckerschicht; inzwischen auch als Trauben- oder Erdbeer-Variante
Choco-Banana – eine ganze Banane am Stiel, in Schokolade getaucht und mit Streuseln überzogen
Baby Castella – kleine, runde Biskuitküchlein, warm und im Beutel verkauft
Taiyaki – fischförmiges Gebäck, meist mit süsser Bohnenpaste, Custard oder Schokolade gefüllt
Wata-ame – Zuckerwatte, oft in bunten Beuteln mit beliebten Charakteren
Ramune – die klassische Limonade in der Glasflasche mit Murmelverschluss
WICHTIG: Bezahlt wird an den meisten Ständen ausschliesslich mit Bargeld, Kleingeld ist also hilfreich.
Was man an Kleidung sieht
Auf dem Weg zum Festival fällt vor allem eines auf: sehr viele Besucher, insbesondere junge Frauen, tragen Yukata (浴衣) – einen leichten, meist aus Baumwolle gefertigten Sommerkimono. Anders als ein klassischer Seidenkimono kommt der Yukata ohne Unterkleidung (Juban) aus und lässt sich deutlich schneller anziehen, was ihn ideal für heisse Abende macht. Dazu gehört klassischerweise ein Obi (breiter Stoffgürtel), Geta (Holzsandalen mit erhöhter Sohle, erkennbar am charakteristischen Klackern beim Gehen) und oft ein kleiner Stoffbeutel (Kinchaku) für die persönlichen Sachen, da ein Yukata keine Taschen hat.
Männer tragen zu Festivals häufig auch Jinbei – ein zweiteiliges, noch legereres Sommer-Outfit aus Oberteil und kurzer Hose, das ebenfalls aus leichtem Baumwollstoff besteht und sich vor allem durch seinen Komfort auszeichnet. Wer keinen eigenen Yukata besitzt, kann sich in vielen Städten in Verleihgeschäften einkleiden lassen – gerade rund um grosse Festivals ein verbreitetes Angebot auch für Besucher.
Und die Hygiene?
Ein verbreitetes Vorurteil: Essen von improvisierten Ständen sei riskant. Das stimmt so nicht – Yatai-Betreiber brauchen in Japan eine offizielle Genehmigung der lokalen Gesundheitsbehörde nach dem Lebensmittelhygienegesetz, egal ob fest oder nur für ein Festival aufgebaut, mit Auflagen ähnlich einem regulären Restaurant. Ein Magen-Darm-Problem nach dem Festival lässt sich also nicht automatisch auf "unhygienische Yatai" schieben – naheliegender sind oft Hitze, ungewohntes Essen oder zu wenig getrunken.
Fazit
Hanabi ist mehr als Feuerwerk – ein kulturelles Ritual aus Gedenken, Gemeinschaft und Sommerfeier. Wer im Juli oder August in Japan ist, sollte sich mindestens eines der grossen Festivals nicht entgehen lassen.

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